Skip to main content

Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen rückt zunehmend in den Mittelpunkt gesellschaftlicher Diskussionen. Chronische Erkrankungen, Allergien, Diabetes, Asthma, psychische Belastungen oder die Folgen einer Pandemie zeigen, dass Schulen längst nicht mehr nur Orte des Lernens sind. Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Prävention und Gesundheitsförderung bereits in jungen Jahren. Vor diesem Hintergrund gewinnt ein Berufsbild zunehmend an Aufmerksamkeit, das in vielen Ländern seit Jahrzehnten selbstverständlich ist: die School Nurse. In Deutschland wird dafür überwiegend die Bezeichnung Schulgesundheitsfachkraft verwendet.

Eine School Nurse übernimmt deutlich mehr Aufgaben als die Versorgung kleiner Verletzungen. Sie ist erste Ansprechpartnerin für gesundheitliche Fragen im Schulalltag und begleitet Schülerinnen und Schüler mit akuten oder chronischen Erkrankungen. Dazu gehört beispielsweise die Unterstützung bei Diabetes, Asthma oder Epilepsie ebenso wie die Einschätzung gesundheitlicher Beschwerden, die Entscheidung über das weitere Vorgehen und die enge Zusammenarbeit mit Eltern, Lehrkräften sowie behandelnden Ärzten.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Gesundheitsförderung. Schulgesundheitsfachkräfte entwickeln Präventionsangebote zu Themen wie Ernährung, Bewegung, Hygiene, Suchtprävention oder psychischer Gesundheit und stärken damit die Gesundheitskompetenz der gesamten Schulgemeinschaft. Sie erkennen gesundheitliche Auffälligkeiten häufig frühzeitig und können dazu beitragen, dass notwendige Hilfen schneller eingeleitet werden. Gerade angesichts zunehmender psychischer Belastungen von Kindern und Jugendlichen gewinnt diese frühe Unterstützung immer mehr an Bedeutung. Die Tätigkeit zeigt beispielhaft, wie sich der Pflegeberuf zunehmend von einer rein versorgenden hin zu einer präventiven und beratenden Profession entwickelt.

Darüber hinaus leisten Schulgesundheitsfachkräfte einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Inklusion. Immer mehr Kinder mit chronischen Erkrankungen, Behinderungen oder besonderen gesundheitlichen Unterstützungsbedarfen besuchen Regelschulen. Die Schulgesundheitsfachkraft trägt dazu bei, dass diese Kinder sicher am Unterricht und am Schulleben teilnehmen können. Sie unterstützt Lehrkräfte, berät Eltern und hilft dabei, gesundheitliche Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und angemessen zu bewältigen. Damit schafft sie Voraussetzungen dafür, dass Inklusion im Schulalltag nicht nur ein gesetzlicher Auftrag bleibt, sondern tatsächlich gelebt werden kann.

Auch für Lehrkräfte bedeutet eine School Nurse eine spürbare Entlastung. Pädagoginnen und Pädagogen sehen sich heute immer häufiger mit gesundheitlichen Fragestellungen konfrontiert, die nicht zu ihrem eigentlichen Aufgabenbereich gehören. Eine qualifizierte Pflegefachkraft schafft hier Sicherheit und ermöglicht es den Lehrkräften, sich stärker auf ihre pädagogischen Aufgaben zu konzentrieren.

International gehören School Nurses in vielen Ländern bereits seit Langem zum Schulalltag. Besonders in den USA, Kanada, Großbritannien oder den skandinavischen Staaten sind sie fest in die Bildungs- und Gesundheitssysteme integriert. Deutschland befindet sich dagegen noch in einer Aufbauphase. In den vergangenen Jahren wurden in mehreren Bundesländern Modellprojekte gestartet, unter anderem in Hessen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Die Ergebnisse dieser Projekte werden überwiegend positiv bewertet. Dennoch ist der Weg zu einer flächendeckenden Einführung noch weit.

Ein wesentlicher Grund liegt in den unterschiedlichen Zuständigkeiten. Während Schulen in die Verantwortung der Länder fallen, gehört das Gesundheitswesen zu großen Teilen in die Zuständigkeit des Bundes sowie der Sozialversicherungsträger. Die Einführung von Schulgesundheitsfachkräften bewegt sich deshalb an der Schnittstelle zweier Politikbereiche. Für eine dauerhafte Etablierung sind klare Zuständigkeiten und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten erforderlich.

Ebenso entscheidend ist eine langfristig gesicherte Finanzierung. Modellprojekte können wichtige Erkenntnisse liefern, schaffen jedoch keine dauerhafte Planungssicherheit. Soll die Schulgesundheitsfachkraft künftig ein fester Bestandteil des Schulalltags werden, müssen Bund, Länder und gegebenenfalls auch Kommunen tragfähige Finanzierungsmodelle entwickeln. Nur so können Stellen dauerhaft geschaffen und qualifizierte Pflegefachkräfte langfristig gewonnen werden.

Für Pflegefachkräfte eröffnet sich damit gleichzeitig ein attraktives neues Berufsfeld. Die Tätigkeit verbindet medizinisches und pflegerisches Fachwissen mit Beratung, Prävention, Gesundheitsförderung und interdisziplinärer Zusammenarbeit. Die Arbeitszeiten orientieren sich häufig am Schulbetrieb, Schichtdienste entfallen in der Regel. Gleichzeitig bleibt die fachliche Verantwortung hoch und der Kontakt zu Kindern, Jugendlichen und ihren Familien macht die Tätigkeit abwechslungsreich und sinnstiftend.

Ob sich Schulgesundheitsfachkräfte in Deutschland künftig flächendeckend etablieren werden, bleibt abzuwarten. Die bisherigen Erfahrungen aus den Modellprojekten zeigen jedoch, dass sie die Gesundheitsversorgung an Schulen verbessern, Prävention stärken, Inklusion unterstützen und Lehrkräfte entlasten können. Angesichts der wachsenden gesundheitlichen Herausforderungen im Kindes- und Jugendalter spricht vieles dafür, dass die School Nurse langfristig zu einem festen Bestandteil des deutschen Bildungssystems werden könnte und damit zugleich ein weiteres zukunftsorientiertes Berufsfeld für Pflegefachkräfte entsteht.