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Das Projekt PflegeAcker ist ein innovatives Konzept, das Naturerfahrung, Bildung und Pflegepraxis miteinander verbindet. Pflege – und Betreuungskräfte, sowie die Bewohner vom Pflegeeinrichtungen gärtnern gemeinsam. Dabei geht es nicht nur um Pflanzen und Erde, sondern auch um die Pflege des Miteinanders, um Achtsamkeit und Nachhaltigkeit sowie neue Perspektiven auf Gesundheit und Fürsorge zu entwickeln.

Seit 2019 bietet das Startup Ackerpause gemeinschaftliches Gärtnern für Unternehmen, Nachbarschaften und Pflegeeinrichtungen an. PflegeAcker wird das Programm für die Pflegeeinrichtungen genannt. Es läuft für jeweils drei Jahre und ist förderfähig, so dass die Kosten für die Pflegeeinrichtung überschaubar bleiben. Nach Ablauf dieser Zeit sind die teilnehmenden Einrichtungen dazu, in der Lage, selbstständig weiterzumachen. Zurzeit nehmen 40 Pflegeeinrichtung in ganz Deutschland Teil.

Am Projektstart bringt Ackerpause Hochbeet-Systeme, Jungpflanzen und Samen mit und übernimmt auch den größten Teil der Arbeit. Dennoch werden von Anfang an alle Beteiligten, also die Mitarbeiter und Bewohner sowie deren Angehörige, mit eingebunden. Zunächst finden während der Saison alle zwei Wochen, dann alle vier Wochen und im dritten Jahr fünf sogenannte Ackersprechstunden statt. Diese vor Ort Termine dienen der Anleitung aber auch dem Feedback. Dabei geht es um die richtige Mischung aus Theorie und Praxis. Neben dem Gemüseanbau steht auch die Ernährung sowie die psychosoziale Gesundheit im Mittelpunkt.

Das gemeinsame Gärtnern stärkt den Zusammenhalt und bringt Abwechslung in den Alltag von Pflegekräften und Bewohnern. Der Gemüseanbau fördert sowohl motorische als auch kognitive Fähigkeiten. Dies ist besonders für Demenzerkrankte ein großer Vorteil. Wer körperlich dazu in der Lage ist, kann beim Pflanzen und Ernten mitwirken, wer weniger mobil ist, kann zumindest beobachten, riechen oder schmecken. Dabei erinnern sich Bewohner vielleicht an einen eigenen Garten, den sie bewirtschaftet haben. Vielleicht erzählen sie von vergnüglichen Stunden mit der Familie im Garten, beim Ernten von Äpfeln und Beeren oder gemeinsamen Obstkuchen essen. Der Acker wird so zu einem Ort der Sinnesaktivierung und Teilhabe. Pflegekräfte berichten, dass solche Aktivitäten positive Auswirkungen auf Stimmung, Motivation und zwischenmenschliche Beziehungen habe

Die Idee des PflegeAckers ist einfach, aber wirkungsvoll. Pflegekräfte verbringen einen großen Teil ihres Alltags in geschlossenen Räumen, in Schichtsystemen und unter hohem Zeitdruck. Der Acker bietet einen Ausgleich, einen Ort der Entschleunigung und Selbstwirksamkeit. Hier wächst nicht nur Gemüse, sondern auch Gemeinschaft. Durch das gemeinsame Arbeiten im Freien entsteht ein Raum, in dem Gespräche stattfinden, die im hektischen Pflegeheimalltag kaum möglich sind.

Darüber hinaus ist der PflegeAcker auch ein Lernort. Pflegeschulen nutzen das Konzept, um Unterrichtsinhalte praktisch zu ergänzen. Themen wie Ernährung, Nachhaltigkeit oder Gesundheitsförderung lassen sich anschaulich vermitteln. Pflege verbraucht viele Ressourcen, von Einmalmaterialien bis hin zu Energie und Wasser. Der PflegeAcker sensibilisiert für nachhaltiges Handeln im Pflegealltag. Durch den bewussten Umgang mit Natur und Umwelt entsteht ein Bewusstsein dafür, dass Pflege nicht nur Fürsorge für Menschen, sondern auch Verantwortung gegenüber der Umwelt bedeutet. Diese Erfahrungen prägen das Verständnis von Pflege als ganzheitlicher Tätigkeit, die Körper, Geist und Umwelt miteinander verbindet.

Der PflegeAcker zeigt, dass Innovation in der Pflege nicht immer digital oder technologisch sein muss. Manchmal entsteht Fortschritt genau dort, wo Menschen sich wieder auf einfache, ursprüngliche Tätigkeiten besinnen. Das gemeinsame Säen, Pflegen und Ernten schafft Erlebnisse, die verbinden und stärken. In einer Zeit, in der Pflege oft mit Belastung und Zeitdruck assoziiert wird, bietet der PflegeAcker eine wohltuende Gegenbewegung. Er ist ein ein Ort, der daran erinnert, dass Fürsorge immer auch Beziehung bedeutet, zu anderen Menschen wie zur Natur. Der PflegeAcker steht für eine neue Kultur des Miteinanders, in der Pflegekräfte nicht nur arbeiten, sondern direkt erleben können, wie wertvoll ihre Arbeit ist.